Musiktherapie

Musikhören oder selber musizieren macht Freude, weckt Erinnerungen und ist eine Möglichkeit, sich auszudrücken.

Musik kann einen besonders guten Zugang zu Menschen mit Demenz eröffnen. Die Kranken werden aus der Apathie gerissen, Erinnerungen werden wach. Bei manchen in der Schule gelernten Liedern sitzt der Text auch bei jenen perfekt, die nicht mehr wissen, was sie vor einer Stunde getan haben. Musik ermöglicht Kommunikation mit Menschen, die sich sprachlich nur noch unzureichend ausdrücken können. Musik spricht die Gefühle an, sie kann aktivieren oder beruhigen, freudige oder traurige Stimmungen ausdrücken.

Auf dieser Grundlage arbeiten speziell ausgebildete MusiktherapeutInnen. Aber auch pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche in Betreuungsgruppen können viele Anregungen der Musiktherapie im Pflegealltag nutzen.

Einige Möglichkeiten für Musiktherapie im Alltag

Gemeinsames Singen

Beim gemeinsamen Singen entsteht Kontakt zu anderen Menschen. Das Singen macht Freude, weckt Erinnerungen, verbessert die Stimmung. Wenn Menschen mit Demenz Liedtexte aus der Kindheit und Jugend noch im Gedächtnis haben, erfahren sie, dass sie noch Fähigkeiten besitzen. Diese Gewissheit stärkt das Selbstbewusstsein.

Spielen von Instrumenten

Personen mit Demenz, die früher ein Musikinstrument gespielt haben, können ermuntert werden, es wieder zu versuchen. Dabei sollte jedoch kein Leistungsdruck ausgeübt werden. Vielleicht „klimpert“ jemand nur noch auf dem Instrument, findet so aber einen Weg, seine/ihre Gefühle auszudrücken. MusiktherapeutInnen setzen auch einfache Instrumente wie Trommeln, Klangschalen usw. ein, mit denen auch ohne Vorkenntnisse Klänge erzeugt werden können.

Gemeinsam Musik hören

Ob vor dem Radio oder CD-Spieler, in der Kirche oder im Konzertsaal – es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam Musik zu hören. Dabei sollte an die Gewohnheiten und Vorlieben des/der Erkrankten angeknüpft werden. Bestimmte Musikstücke können zeitlebens emotional stark besetzt bleiben, weil sie mit wichtigen Erinnerungen verbunden sind, etwa mit dem Gottesdienst, mit Tanzvergnügen, mit dem Kauf der ersten Schallplatte.

TherapeutInnen und Angehörige sollten deshalb versuchen, etwas über die musikalische Biografie des/der Erkrankten herauszufinden. Bevorzugt er/sie Volksmusik, Klassik oder Schlager? War jemand aktives Mitglied in einem Musik-, Gesangs- oder Tanzverein? Oder hat Musik für ihn/sie kaum eine Rolle gespielt?

Musik hören mit dem Tölzer Würfel

In der Musiktherapie mit Demenzerkrankten spielt das Hören von Musik eine ebenso wichtige Rolle wie das Spielen von Musikinstrumenten. Besondere Lieblingslieder werden immer wieder gerne gehört. Als einfaches, intuitiv zu bedienendes Musikabspielgerät steht dazu der Tölzer Würfel zur Verfügung.
Dieser MP3-Player in Form eines Würfels kann auch von Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium bedient werden.

Den einzelnen Würfelseiten sind eines oder mehrere Musikstücke zugewiesen, die durch Stellen des Würfels auf die entsprechende Würfelseite ausgewählt werden können. Damit können die Lieblingslieder auch von der Person mit Demenz selbst immer wieder einfach ausgewählt und angehört werden. Die Erkrankten erhalten sich damit auch etwas Entscheidungsautonomie.

Musik kann auch für Angehörige hilfreich sein

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz sind oftmals körperlich und seelisch sehr belastet und erschöpft. Hier kann Musik zur Entspannung beitragen und Abstand zum Alltag schaffen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: zu Hause Musik hören, Konzerte besuchen, selber musizieren, in einem Chor singen usw. Viele Alzheimer-Gesellschaften bieten sogenannte Alzheimer-Tanz-Cáfes an, bei deren Veranstaltungen Kranke und Angehörige gemeinsam Freude erleben.

Musiktherapie in der Praxis

Musik, die für die Erkrankten bedeutsam ist, aktiviert Erinnerungen und Gefühle. Ziel ist es, emotionale und kommunikative Vorgänge im Patienten/in der Patientin zu aktivieren und dadurch seine/ihre Erlebnisfähigkeit auszuweiten. (vgl. Pflege heute, S.1359).

„Ein Lied kann ein Engramm sein, ein Code, die Repräsentation für ein Stück Geschichte einer Person. (...) Ich habe intakte Persönlichkeiten und Bilder vorgefunden, die sich trotz schwerwiegender kognitiver Beeinträchtigungen, im Laufe der Sitzungen weiter entfalteten. Die Lieder, die ich in den Sitzungen wiederholt einsetzte, hatten für die jeweilige Frau ganz besondere Bedeutung. Vertraute Musik dient als Katalysator, um vergangene Assoziationen aufzudecken.“ Connie Tomaino: Arbeit mit Bildern und Erinnerungen von Demenzpatienten. In: Music Therapy World. Musiktherapie in der Behandlung von Demenz. Hrsg. David Aldrige. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2003, S. 173.

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Das Wichtigste in Kürze

Musik kann einen besonders guten Zugang zu Menschen mit Demenz eröffnen. Musikhören oder musizieren macht Freude, weckt Erinnerungen und ist eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Die Kranken werden aus der Apathie gerissen, Erinnerungen werden wach.

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