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„Vertrauen aufbauen und Betroffenen Sicherheit geben“

Einsatzleiterin Ingeborg Holzer berichtet im Interview über den Ablauf von Diagnoseuntersuchungen und den Umgang mit der Krankheit Demenz

Wien, 22.05.2013

Demenzhilfe Österreich: Wie kommt es Ihrer Erfahrung nach zu einer Demenz Diagnoseuntersuchung?

Ingeborg Holzer: Unsere Pflege- und Betreuungsdienste erheben im Zuge der Pflegeanamnese - das ist die erste Untersuchung, bei der die Bedürfnisse und Probleme der PatientInnen erhoben werden - ob es Einschränkungen im kognitiven Bereich gibt. Dabei überprüfen wir nicht nur die Gedächtnisspeicherung, sondern auch Aufmerksamkeit, Wahrnehmungsfähigkeit etc.

Unsere MitarbeiterInnen sind als diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen auf das Erkennen dieser Krankheitsformen ausgebildet. Aufgrund Ihrer Einschätzung empfehlen wir den PatientInnen und auch deren Angehörigen im Bedarfsfall eine Demenz-Diagnose durchführen zu lassen. Besonders bei älteren Menschen ergibt sich die Diagnose oft auch während eines Krankenhausaufenthalts, wenn PatientInnen wegen körperlicher Symptomatik eingewiesen werden.

Demenzhilfe Österreich: Wie läuft eine Einschätzung über eine Demenzerkrankung ab?

Ingeborg Holzer: Wir benutzen das sogenannte "Resident Assessment Instrument" (R.A.I), um den Pflege- und Betreuungsbedarf unserer PatientInnen optimal erheben zu können. Das ist ein sehr umfangreiches Instrument zur Diagnostik und Prioritätensetzung des Pflegebedarfs.

Dabei werden neben anderen Bereichen auch Themenfelder abgedeckt wie: Trifft der/die PatientIn die Alltagsentscheidungen selbst? Kann sich der/die PatientIn verständlich machen? Hat er/sie Schwierigkeiten Worte und Gedanken einfach zu finden? Wie ist die allgemeine Kommunikationsfähigkeit? Kann man Verhaltensauffälligkeiten erkennen?

Gerade im Anfangsstadium einer Demenzerkrankung ist die Abschätzung schwierig, deshalb überprüfen wir bei unseren PatientInnen in regelmäßigen Abständen, ob sich der Zustand verändert und versuchen dann konkrete Hilfestellungen anzubieten.

Demenzhilfe Österreich: Welche Ausbildung haben die Volkshilfe DemenzdiagnostikerInnen?

Ingeborg Holzer: Unsere Diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen erheben nur Einschränkungen im kognitiven Bereich und geben anhand ihrer Einschätzung eine Empfehlung ab. Dabei verweisen wir für eine Demenzdiagnose an niedergelassene PsychiaterInnen, an NeurologInnen und Gedächtnisambulanzen in den nächstgelegenen Krankenhäusern.

Demenzhilfe Österreich: Welche Hilfestellungen bietet die Volkshilfe nach einer Demenz Diagnose, sowohl für die Betroffenen, als auch für pflegende Angehörige?

Ingeborg Holzer: In der mobilen Pflege, in der wir Menschen zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung betreuen, legen wir Wert auf Bezugspflege. Das heißt, dass wir darauf achten, dass unsere MitarbeiterInnen jeweils eine möglichst kleine Gruppe an Personen betreuen. Der immer gleiche Ablauf sowie gemeinsame Rituale in der Betreuung sind besonders bei demenzerkrankten Personen wichtig. So können wir Vertrauen aufbauen und geben unseren PatientInnen Sicherheit.

Es gibt aber noch weitere Angebote für demenerkrankte Personen, die regional unterschiedlich angeboten werden. Neben Beratung zu Demenz und damit verbunden Betreuungsangebote wie Gedächtnistraining und Tageszentren bietet die Volkshilfe auch für pflegende Angehörige Austauschmöglichkeiten in Form von Stammtischen. Wichtig ist uns zu zeigen, dass weder die Betroffenen, noch die Familien mit einer Demenzerkrankung alleine sind. Die Volkshilfe arbeitet von Mensch zu Mensch.

Ingeborg Holzer ist diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester. Holzer ist Einsatzleiterin der Mobilen Pflege- und Betreuungsdienste bei der Volkshilfe Steiermark.

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