Biografischer Ansatz

Die Lebensgeschichte des/der Erkrankten bietet vielerlei Anlässe für Erinnerungen und Gespräche. Dies ist ein guter Weg, um das Gedächtnis zu aktivieren.

„Biografie“ bedeutet „Lebensbeschreibung oder Lebensgeschichte“. Diese bringt den individuellen Reifeprozess eines Menschen zum Ausdruck, der von diversen Einflüssen (beispielsweise Familie, Beruf und soziales Umfeld) geprägt wird (vgl. Pflege heute S. 135). Bei vielen Menschen mit Demenz ist das Neugedächtnis stark beeinträchtigt, während sie sich noch gut an lange zurückliegende Ereignisse erinnern können: Jemand weiß nicht, was er vor einer Stunde gegessen hat, erinnert sich aber an die Namen von SchulkameradInnen und kann die Schlager seiner/ihrer Jugend mitsingen.

Bei der Betreuung von Personen mit Demenz ist es deshalb sinnvoll, immer wieder auf die Lebensgeschichte der Betroffenen einzugehen. Erinnerungen und Gespräche fördern die geistige Leistungsfähigkeit und den Erhalt der Persönlichkeit. Fachleute nennen dies den „Biografischen Ansatz“.

Anreize für lebensgeschichtliche Erinnerungen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Erinnerungen zu wecken. Die Stationen des Lebenslaufes bieten viele Anknüpfungspunkte: Wie war es in der Schule, in der Ausbildung, im Sportverein? Wie war es, als die Kinder klein waren und das Haus gebaut wurde? Gut geeignet sind alte Fotos, Filme und Musik von "„damals“, Postkarten von Urlaubsreisen, persönliche Gegenstände, Kleidungsstücke, die Speisen, die die Mutter kochte, Feste und Sportereignisse.

Aus den Erinnerungen positive Lebensmomente erhalten

Beim Umgang mit der Lebensgeschichte und den Erinnerungen sollten positive Erlebnisse im Vordergrund stehen. Nicht angebracht wäre, beim Ansehen eines Familienfotos abzufragen, wer darauf abgebildet ist. Oft braucht es Geduld, bis sich die ersten Erinnerungen einstellen.

Auf individuelle Bedürfnisse eingehen

Voraussetzung für eine professionelle Biografiearbeit ist, Zeit und Raum lassen (zuhören und verstehen) und dadurch Vertrauen aufbauen (vgl. Kastner et. al, S. 68). Dabei sollte beobachtet werden, wie ein Mensch mit Demenz auf die Beschäftigung mit Ereignissen seiner Lebensgeschichte reagiert. Vielen macht es Spaß, sich an alte Geschichten zu erinnern. Andere verhalten sich gleichgültig oder ablehnend und beschäftigen sich lieber mit der Gegenwart. Dies sollte respektiert werden.

Natürlich gibt es in jeder Lebensgeschichte auch unangenehme und traurige oder tragische Erfahrungen. Mit diesen Erinnerungen muss sehr vorsichtig umgegangen werden. Unter Umständen sollte zur Verarbeitung dieser Erfahrungen auch die Hilfe eines/einer Therapeuten/Therapeutin oder Psychologen/Psychologoin in Anspruch genommen werden.

„Die Erinnerung ist bei Menschen, die an Demenz leiden, wie eine Landschaft, bei der die Berggipfel aus dem Nebel hervorschauen.“ Angelika Trilling (Hrsg.): Erinnerungen pflegen. Unterstützung und Entlastung für Pflegende und Menschen mit Demenz. Hannover, Vincentz, 2001

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Das Wichtigste in Kürze

Bei vielen Menschen mit Demenz ist das Neugedächtnis stark beeinträchtigt. Bei der Betreuung von Personen mit Demenz ist es deshalb sinnvoll, immer wieder Erlebnisse aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. „Biografischer Ansatz“ bedeutet, auf die Lebensgeschichte der Betroffenen einzugehen.

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